Gedicht: Mein Spiegelbild

Geschrieben von Olaf Lux am Donnerstag, 16. April 2009 um 20:01 in Literatur
Mein Spiegelbild

1) Die Sonne morgens durch das Fenster scheint,
Ich mich gähnend aus dem Bett erhebe.
Sofort sind wir wie Zwillinge vereint,
Wir teilen das Leben, das ich lebe.

2) Gekämmt, geschminkt, die Falten retuschiert;
Dich stört die Warze auf der Stirne nicht.
Und wenn man heimlich kichernd nach mir stiert,
Trost Du reflektierst auf mein Gesicht.

3) Lebensmüde von der Brücke schau ich

Tod eines Panzerknackers

Geschrieben von Olaf Lux am Montag, 23. Februar 2009 um 21:12 in Literatur
Aus Langeweile habe ich mir mal wieder ein paar alte Lustige Taschenbücher von Walt Disney hervorgekramt, von denen sicher jeder noch irgendwo einige rumfliegen hat, wenn er sie nicht bereits seinen Neffen, Nichten oder Enkeln vermacht oder auf dem Flohmarkt versilbert hat.

Ich lese also alte Abenteuer von Donald und seinen Neffen Tick, Trick und Track, gehe mit Onkel Dagobert im Geldspeicher tauchen und mit Micky und Goofy auf Safari, mache Reisen um die ganze Welt und durch die ganze Zeit - und was muss ich da plötzlich sehen?

Den Tod eines Panzerknackers!

Ich war eigentlich fest davon überzeugt, dass es so etwas bei Disney nicht gibt. Ok, bei Schneewittchen fällt die böse Hexe am Ende in den Abgrund. Aber das basiert ja auf einem Märchen. Bei ureigenen Disney-Geschichten kann ich mich an das Thema Tod überhaupt nicht erinnern, speziell nicht in den Lustigen Taschenbüchern. Ebenso wie es keinen Sex oder Beziehungen gibt, es gibt keine Eltern, nur Onkel und Tanten, keine Eheleute, nur Cousins und Vettern, die zwar miteinander flirten und umeinander buhlen wie Donald und Gustav um Daisy, aber kriegen würden sie sich nie. Und es stirbt auch keiner, auch wenn Onkel Dagobert mittlerweile an die 150 Jahre alt sein müsste, er altert nicht und wird sicher noch weiterhin guter Dinge sein, wenn unsereins schon lange den letzten Taler abgegeben hat...

Oh, Käptn mein Käptn...
Doch hier, im LTB Nr. 72 "Viel Lärm um Donald", sehe ich es plötzlich schwarz auf weiß (damals waren immer 2 Seiten farbig und 2 Seiten sw, wohl um Kosten zu sparen). Hier sehen wir Onkel Dagobert als Piraten-Kapitän, wie er einen seiner Matrosen, bestehend aus Panzerknackern, über die Planke schickt. Und nicht so zum Spaß, dass dieser ins Wasser fällt PLATSCH PRUST HIHI alles wieder gut. Nein, man sieht deutlich, wie Dagobert ungeduldig befiehlt, die Planke einzuholen, der arme Bursche verschwindet schreiend in den Fluten, gefolgt von einem hungrigen Haifisch. Das wars, im nächsten Bild blafft Dagobert schon den nächsten Befehl. Kein Kommentar, kein klärendes Bild - der Panzerknacker ist tot. Nicht dass mich das schocken würde, ich war nur überrascht. Sollte das in politischen Kreisen publik werden, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Lustige Taschenbücher auf den Index kommen und verantwortlich gemacht werden für Jugendgewalt und Amokläufe.

Auf jeden Fall werde ich die nächsten LTB etwas genauer betrachten... Bitte mit dem Cursor über das Bild gehen

Gedicht: Der Schneebogen

Geschrieben von Olaf Lux am Mittwoch, 7. Januar 2009 um 16:24 in Literatur
Es ist Winter.
Eine weiße Decke
hüllt kühlend Häuser, Bäume, Straßen ein.
Autos schwimmen langsam und lautlos
in einem weißen, gefrorenen Meer.
Dicke Flocken schmilzen kitzelnd
auf der Haut der frierenden Menschen.
„Warum lacht der Schneemann?“
fragt das zitternde Kind.
Sein Vater schlägt fröstelnd
den Mantelkragen hoch
und fixiert die feuchten Kohleaugen
der dicken Schneepuppe.
„Er friert nicht!“
sagt er und wendet sich ab.
„Sieh Kind, die Sonne scheint!“
„Aber wenn die Sonne scheint,
schmilzt doch der Schneemann!?“
Lange blinzelt der Vater in die Sonne
und hockt sich zu seinem Kind hinab.
„Sieh, die Sonne läßt ihn sterben,

Gedicht: Der Regenbogen-Floh

Geschrieben von Olaf Lux am Dienstag, 4. November 2008 um 23:10 in Literatur
Am Rand des Seins, im Nirgendwo
der unberührten, milden Ewigkeit,
entwich dereinst ein kleiner Floh
und riss ein Loch in die Unendlichkeit.
Aus diesem Loch entfloh ein Strahl
von Sonnenlicht, der ewig war gefangen,
und nun befreit von dieser Qual,
der unermesslich Finsternis und Bangen,
fiel funkelnd er auf’s Augenlid
des gramgebeugt erstarrten Gotts der Farben,
der gar nicht weiß, wie ihm geschieht,
das lang verlorne Licht zurückzuhaben.
Er färbt den Strahl in allen Tönen
und sendet einen Regenbogen aus,
und einen ganz besonders Schönen
lässt er erstrahlen über Deinem Haus.
Drum siehst Du diesen Regenbogen
und fragst Dich: Was erschuf ihn, wie und wo?
erkennst Du, dass die Wissenschaft gelogen –
es war nur ein dem Nichts entflohener Floh.

Cölbe, 27.02.1993

Netz-Tipp: Poetry Slam - Johanna Wack

Geschrieben von Olaf Lux am Mittwoch, 26. März 2008 um 22:44 in Literatur
Durchs Zappen sind wir auf die WDR-Sendung Poetry Slam aufmerksam geworden und waren sogleich fasziniert. Dort treten Künstler auf, die innerhalb von 3 Minuten ein Gedicht oder einen Text vortragen - sooo geil!

Hier unser derzeitiger Favorit, aber die anderen sind durchweg auch sehenswert:

http://www.wdr.de/tv/poetryslam/videos/runde18/johanna_wack.jsp

Viel Spaß :-)

Gedicht: Der Adler und der Schreiber

Geschrieben von Olaf Lux am Montag, 7. Januar 2008 um 19:47 in Literatur
Die feuchtgrelle Dämmerung weckt den flüggen Adler,
als der Schreiber sich fröstelnd von seinem übernächtigten Schreibtisch erhebt
und gähnend seine sanft schmerzenden Glieder reckt,
während der Adler seine schneeweißen Schwingen entfaltet,
die so rein und unbefleckt sind
wie die ideelosen Papierseiten in des Schreibers Hand,
welche nun in einer verhüllenden Mappe
unter einklemmendem Arm das Freie suchen,
in welches sich der Adler aus hohem Horst hinabwirft,
um kurz darauf emporzuschweben
wie die rastlosen Gedanken des naturaufsaugenden Schreibers,
dessen tintenschwarze Feder stammelnd über die Papierseiten zeichnet.

Friedlich frei die Wolken umspielend,
wirft der Adler einen weißen Schatten auf die erwachende Sonne,
in die der wortsuchende Schreiber blinzelt,
und mit lachendem Herzen

Gedicht: Tautropfen der Freundschaft

Geschrieben von Olaf Lux am Samstag, 24. November 2007 um 14:19 in Literatur
In einer Zeit voll Ignoranz,
Wo Menschen blind durch triste Straßen schwimmen,
Wo täglich wie ein wilder Tanz
Maschinen unseren Lebenspuls bestimmen,
Versinken wir wie alter Tand
Im schwarzen Strudel dieser Welt im Wahn,
Und greifen stumm nach einer Hand
Wie Tautropfen im weiten Ozean.

Doch manchmal, voller Kraft und Liebe,
Nimmt diese Hand sich unser Flehen an,
Reißt uns aus diesem Weltgetriebe
Und führt uns an den Ort, wo es begann.
Und hier, am Ursprung unserer Seele,
Begegnen wir Gefährten voll Elan,
Vermischen uns im Rauschen der Gefühle
Wie Tautropfen im weiten Ozean.

Hast Du solch einen Freund gefunden,
In dessen Herz Dein Spiegelbild erwacht,

Gedicht: Albtraum

Geschrieben von Olaf Lux am Dienstag, 30. Oktober 2007 um 20:07 in Literatur
Schwarz ist die Nacht und ich kann dich nicht sehen,
nicht verstehen, wohin und warum musst du gehen,
es ist kalt, ich bin alt, eine dunkle Gestalt
ohne Schatten ohne Schatten gebietet mir Halt,
sie verlangt einen Pfand, sie nimmt meine Hand,
sie durchbricht eine Wand und sie zeigt mir ein Land,
und das Wasser ist schwarz, die Luft ist aus Quarz,
von schreienden Bäumen tropft bleiernes Harz,
und während das Tier eine Greisin gebiert
geh ich unter und unter und unter und unter...


Unter dem Mond, dem schreienden Mond,
wo in wandernden Wolken die Einsamkeit wohnt,
wo der Berg sich verneigt, wo der Weg sich verzweigt,
wo die Kälte sich zeigt, wo der Schreiende schweigt...
................................................................................
................................................................................
...es kommt und es steigt doch du kannst es nicht sehen,
es kommt und es schreit doch du kannst nicht verstehen,

O-Ton des Tages

"Wenn man überhaupt keine Ahnung hat - einfach mal Fresse halten."
Dieter Nuhr

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