Film-Remakes: Gutes vom Vortag oder doch nur aufgewärmt?

Geschrieben von Olaf Lux am Sonntag, 2. August 2009 um 20:43 in Film
Remakes von Filmen sind ja generell ein heikles Thema.

Einige sind gut, einige schlecht, bei manchen Filmen machen sie Sinn, bei anderen überhaupt nicht. Oftmals scheinen Remakes mangels neuer Ideen aus der Schublade geholt zu werden, man spart viel Zeit und Arbeit und kann bei der Vorlage wunderbar klauen. Andererseits kann ein Film, der früher mehr schlecht als recht realisierbar war, mit heutigen Mitteln vielleicht viel interessanter inszeniert werden - Titanic zum Beispiel. Und dann kommt es immer noch drauf an, ob man überhaupt weiß bzw. bemerkt, dass es sich um eine Neuverfilmung handelt. Gutes Beispiel: I am Legend (2007). Jüngere Kinogänger werden kaum noch die 1971er Verfilmung Der Omegamann mit Charlten Heston kennen. Und selbst Cineasten reiferen Alters wissen bestimmt nicht alle, dass auch das ein Remake war von The Last Man on Earth mit Vincent Price aus 1963. Und dass es 2007 noch eine Adaption namens I am Omega mit Mark Dacascos gab. Sicher lässt sich das heutzutage relativ schnell und problemlos recherchieren, doch wer macht sich schon die Mühe, jeden Film auf etwaige Vorgänger hin zu überprüfen und sich womöglich diese alten Schinken noch zu besorgen und vorab anzuschauen......OK, ich.

Ziemlich sinnlos finde ich Remakes, die die Vorlage 1 zu 1 kopieren, wie z.B. Psycho. Mit Original Filmmusik, dem Original-Script, fast jede Einstellung nachzustellen, nur halt mit neueren Darstellern und in Farbe - was bringt das? Wenn der Ursprungsfilm genial ist, kann ein Remake doch nur lahm sein. Andere Beispiele: Nachtwache und Funny Games oder The Ring. Wirklich gute europäische oder asiatische Filme, die dann für den amerikanischen Markt nochmal nachgedreht werden, teilweise sogar vom gleichen Regisseur. Und nur, damit Tom, Dick and Harry sich bloß nichts ausländisches ansehen müssen. Als würde man in Deutschland Krieg der Sterne nochmal nachdrehen mit Till Schweiger als Luke Skywalker, Rainer Kalmundt als Jabba the Hut und Hoecker als Yoda. Hmmm...

Interessant wird es für uns Cineasten, wenn man dann mehrere Versionen eines Stoffes betrachtet und vergleichen kann. So finde ich sowohl den Klassiker Die Körperfresser kommen brillant, kann aber auch den Vorgänger Die Dämonischen und sogar die aktuelle Version Die Invasion empfehlen. Weil jeder Film für sich und seine Zeit ganz anders inszeniert wurde und daher auch ganz anders wirkt. Ebenso mag man über den alten King Kong schmunzeln angesichts des Knallers von Peter Jackson, doch auch der alte Flimmerstreifen ist und bleibt Kult.

Probleme gibt es, wenn einer Neuverfilmung ein Fandom gegenübersteht, wie z.B. bei Star Trek. Der neue Film ist zwar kein Remake, sondern eine Art Neustart, aber storytechnisch und visuell ganz anders als alles, was ein altgedienter Star Trek-Kenner erwarten würde. Das war schon bei The Next Generation ein Streitthema und hat auch in diesem Fall für unterschiedlichste Meinungen gesorgt.

Im Moment schwappt ja aus den US of A nicht viel anderes als Remakes und Comicverfilmungen herüber, die im Grunde auch alles Remakes sind, da es schon zig Verfilmungen von Superman, Batman, Hulk, Spiderman.... gibt. Dennoch ist eine gut gemachte Neuverfilmung mit ordentlichen Spezialeffekten natürlich sehenswerter als so ein alter Schinken mit nem Schönling im Strampelanzug. Aber wieso muss man Genre-Klassiker wie Texas Chainsaw, Helloween, Freitag der 13te ... neu verfilmen? Nur um sie noch krasser, blutiger und ekliger zu machen? Ich weiß nicht, ich weiß nicht....

Andererseits wünscht man sich insgeheim, dass Peter Jackson seit seiner Kindheit Perry Rhodan-Fan ist und demnächst eine 9-teilige Megaverfilmung ankündigt, damit man den unsäglichen SOS im Weltraum als bisher einzige Verfilmung dieses Epos' endlich vergessen kann. Hach, wäre das schön...

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